CoronavirusIst die Zeit für die Videosprechstunde gekommen?

Ist Covid-19 auch ein Fall für die Videosprechstunde? Eine wissenschaftliche Arbeit hat nun deren Möglichkeiten und Grenzen in der hausärztlichen Versorgung untersucht - und ist auf eine hohe Zustimmung gestoßen.

Ist Covid-19 auch ein Fall für die Videosprechstunde? Eine wissenschaftliche Arbeit hat nun deren Möglichkeiten und Grenzen in der hausärztlichen Versorgung untersucht - und ist auf eine hohe Zustimmung gestoßen.
Besprechung eines Röntgenbilds per Video: In der vorliegenden Befragung kann sich das fast jeder Zehnte vorstellen.© Photographee.eu - stock.adobe.com

Berlin. Anlässlich der sich ausbreitenden Corona-Infektion in Deutschland könnte der Einsatz der Videosprechstunde helfen, die potenzielle Ansteckung in Wartezimmern zu vermeiden. Weiterhin könnten per Videosprechstunde Patienten hinsichtlich Corona beraten werden. Eine prinzipielle Offenheit für Videosprechstunden zumindest ist vorhanden: So konnten sich 55 Prozent der Befragten in einer Hausarztpraxis vorstellen, eine Videosprechstunde innerhalb der hausärztlichen Versorgung zu nutzen.

Das zeigen erste Ergebnisse einer nichtrepräsentativen, zweistufigen Befragung im Rahmen einer Masterarbeit an der Hochschule Fresenius in Kooperation mit einer größeren hausärztlichen Praxis im Süden Hamburgs. Befragt wurden dabei 209 Frauen und Männer zwischen 18 und 88 Jahren, der Befragungszeitraum erstreckte sich von Oktober bis November 2019.

Bei welchen Anlässen bietet sich das Video an?

Im ersten Schritt wurden 41 Prozent der Behandlungsanlässe in der Hausarztpraxis als für die Videosprechstunden geeignet eingestuft. Um zu untersuchen, welche Konsultationsanlässe für eine Videosprechstunde geeignet sind, wurden zunächst 15 verschiedene definiert. Nach jeder Behandlung wurde zwischen Arzt und Patient besprochen, ob der jeweilige Konsultationsanlass für eine Videosprechstunde geeignet ist. Als besonders für die Videosprechstunde geeignet wurden Beratungsgespräche, allgemeine Fragen ohne körperliche Untersuchung sowie Besprechungen von Laborwerten eingestuft. Hier zeigt sich auch ein potenzieller Nutzen in der aktuellen Situation: Immerhin müssen aufgrund des sich ausbreitenden Coronavirus ständig neue Informationen an die Patienten weitergegeben werden; Patienten auch mit geringen Symptomen sind unterdessen aufgefordert, zu Hause zu bleiben und sich zunächst lediglich telefonisch an Hausarztpraxen zu wenden. Hier könnte die Videosprechstunde ergänzend zum Einsatz kommen, worauf jüngst auch Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands, hingewiesen hatte.

Weiterhin wurde dargelegt, dass Behandlungen chronisch kranker Patienten aus Sicht der befragten Hausärztin häufig in Form der Video-Telefonie abgehalten werden könnten.

Überdies ist keine höhere Nutzungsbereitschaft der jüngeren Patienten oder des männlichen Geschlechts nachgewiesen worden. Ebenfalls zeigt die Untersuchung, dass es sich sowohl aus Sicht der Patienten als auch aus Sicht der Ärzte bei der Online-Sprechstunde um ein Zusatzangebot handelt und den direkten Arzt-Patienten-Kontakt nicht ersetzen kann. Es zeigt sich in der Untersuchung, dass jüngere Patienten nicht unbedingt ein größeres Interesse an Videosprechstunden haben, sondern durchaus skeptisch sind. Zudem lässt sich bei den befragten Hausarztpatienten insgesamt ein größeres Interesse an Videosprechstunden als in den bisher durchgeführten Studien feststellen, was möglicherweise auf die zunehmende öffentliche Wahrnehmung des Themas zurückzuführen ist.

Denn die Videosprechstunde ist zwar zentraler Teilbereich der Telemedizin in Deutschland, kommt in der Praxis bislang jedoch nur vergleichsweise wenig zum Einsatz.

Anknüpfende Befragung läuft

Vor der Durchführung der aktuell noch laufenden zweiten Befragung wurde die Videosprechstunde in der Hausarztpraxis, in welcher bereits die erste Analyse vorgenommen wurde, eingeführt. Die Befragung selbst wurde während der Einführungsphase unmittelbar nach den abgehaltenen Videosprechstunden durchgeführt. Bislang konnten im Befragungszeitraum zwischen Dezember 2019 und Februar 2020 insgesamt 21 Frauen und Männer im Alter zwischen 23 und 84 Jahren befragt werden. Mit Hilfe der zweiten Untersuchung sollte die Frage beantwortet werden, ob durch die Nutzung der Videosprechstunde die Patientenzufriedenheit erhöht wird. Aus der Datenerhebung ging hervor, dass die Mehrheit der Patienten auf die Videosprechstunde positiv reagiert hat und durch die Anwendung der Videosprechstunden zufrieden ist. Mit 57 Prozent wurde der Großteil der Patienten im Rahmen einer Online-Sprechstunde medizinisch beraten.

Trotz der begrenzten Stichprobengröße bietet die Untersuchung einen interessanten Einblick und zeigt im Zusammenhang mit den bisher erhobenen Studien, dass die Videosprechstunde eine sinnvolle Ergänzung der hausärztlichen Versorgung darstellt und zudem im Sinne vieler Patienten ist. Auf dieser Grundlage ist es empfehlenswert, die Implementierung der Videosprechstunde weiterhin zu fördern.

Praxispersonal muss geschult werden

Während der Einführungsphase der Videosprechstunde in der Hausarztpraxis sind jedoch auch einige Herausforderungen zu meistern gewesen. Hier besteht beispielsweise beim Praxispersonal Unsicherheiten, wie die Videosprechstunde in die Praxisorganisation integriert werden kann. Hier wäre eine mögliche Maßnahme, (Online-) Fortbildungen zum Einsatz der Videosprechstunde für das Praxispersonals zu nutzen. Maßnahmen dieser Art fördern zudem die Motivation der medizinischen Fachangestellten, denen mit Hilfe von Schulungen die Unsicherheit genommen wird. Dieses ist von Bedeutung, da gerade die medizinischen Fachangestellten für den Erfolg der Videosprechstunden im Hinblick auf die Terminvergabe in den jeweiligen Arztpraxen verantwortlich sind.

Autoren: Magdalena Meyer (Hochschule Fresenius), Dr. med. Petra Köster-Meyer (Gemeinschaftspraxis Dr. Köster-Meyer), Prof. Philipp Walther (Hochschule Fresenius)

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