Corona-PandemiePersonalmangel zwingt Kliniken oft in die Knie

Die Kurve der Corona-Neuinfektionen flacht zwar leicht ab - doch aufgrund des zeitlichen Verzugs werden schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zunächst weiter steigen. Mit aktuellen Zahlen lenkt das RKI den Blick auf die Kliniken: Schon heute müssen sich Hunderte abmelden, weil es an Personal oder Räumen mangelt.

Die Kurve der Corona-Neuinfektionen flacht zwar leicht ab - doch aufgrund des zeitlichen Verzugs werden schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zunächst weiter steigen. Mit aktuellen Zahlen lenkt das RKI den Blick auf die Kliniken: Schon heute müssen sich Hunderte abmelden, weil es an Personal oder Räumen mangelt.
Corona-Intensivpatientin: Die Versorgung erfordert freie Betten, ausreichend Material und vor allem Personal.© Halfpoint - stock.adobe.com

Berlin. Während die Kurve der Neuinfektionen zuletzt weniger steil gestiegen ist und damit Grund zu “vorsichtigem Optimismus” gibt, spitzt sich die Lage in vielen Kliniken zu. „Fast die Hälfte“ der Kliniken hätten zuletzt eine begrenzte oder sogar keine Verfügbarkeit gemeldet – doppelt so viele wie noch vor vier Wochen, wie Prof. Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), am Donnerstag (12.11.) vor Journalisten sagte. In einigen Kliniken sei der Regelbetrieb bereits eingeschränkt, um Personal für die Intensivbetreuung freizusetzen. Es sei damit zu rechnen, dass weitere Kliniken an ihre Kapazitätsgrenzen kämen.

In mehr als 400 Fällen sei die dünne Personaldecke Grund für die Betriebseinschränkungen im stationären Bereich, da auch medizinisches Personal zunehmend erkranke oder in Quarantäne müsse, sagte Wieler und bezog sich auf Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Es gelte zu verhindern, dass sich die Situation weiter zuspitze.

Auch knappe Räume bedingten begrenzte Verfügbarkeiten (ca. 150 Fälle), während ein Mangel an Verbrauchsmaterial oder Beatmungsgeräten nur sehr selten ein Zurückfahren des Betriebs nötig machten.

Ähnlich sieht es im ambulanten Sektor aus, was die RKI-Zahlen jedoch nicht zeigen. Hier weisen der Deutsche Hausärzteverband sowie zahlreiche Landesverbände seit Wochen darauf hin, dass Praxisteams an der Belastungsgrenze oder darüber hinaus arbeiten; großflächige “Abmeldungen” aus der Versorgung analog zu den Kliniken hat es jedoch nicht gegeben. Dies ist umso bedeutender, als die Hausarztpraxen während der Corona-Pandemie flächendeckend einen Schutzwall vor der Überlastung der Kliniken bildeten und bilden.

Die körperliche Belastung der Hausärztinnen und Hausärzte sei jedoch groß, gab Dr. Matthias Berndt, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Niedersachsen, am Donnerstag (12.11.), zu bedenken. Die Arbeitstage seien oft sehr lang. “Wenn man zehn bis zwölf Stunden mit Maske und Vollschutz gearbeitet hat, ist man körperlich am Ende.” Das Arbeitsaufkommen sei “riesig” und werde durch die vielen kurzfristigen Rechtsverordnungen, Regeln und Leitlinien, die sich mitunter sogar widersprächen, erschwert. “Das kann man im Praxisalltag nicht mehr alles lesen. Regeln, die nicht umsetzbar sind, nützen nichts”, sagte Berndt.

Einfluss durch neue Testkriterien?

Vorsichtig optimistisch stimme ihn zwar, dass die Kurve der Neuinfektionen zuletzt flacher verlief, so Wieler. Noch wisse man aber nicht, ob es sich dabei um eine stabile Entwicklung handele. Und: In jedem Fall werde die Zahl der schweren Krankheitsverläufe und der Todesfälle mit zeitlichem Verzug weiter steigen.

Inwiefern die jüngst veränderten Testkriterien Einfluss auf die Zahlen hätten, könne man aktuell noch nicht sagen, erklärte der RKI-Chef. Vergangene Woche hatte das Institut aufgrund der begrenzten Laborkapazitäten dazu aufgerufen, künftig prioritär Personen mit schweren Symptomen zu testen; asymptomatische Kontaktpersonen oder auch Patienten mit nur leichten Symptomen sollen seither nur noch in bestimmten Fällen per PCR getestet werden, etwa bei einer Tätigkeit im Gesundheitswesen.

Dieser Richtungswechsel könnte sich durchaus auch in den gemeldeten Zahlen zeigen, etwa in Form einer gesteigerten Positivrate aufgrund der gezielteren Testung oder in absolut weniger Tests. Das RKI gehe von einem solchen Einfluss aus; aktuell habe man jedoch noch nicht genug Einblicke. Auch sei es zu früh, die Wirksamkeit des seit 2. November ausgerufenen “Lockdown light” zu beurteilen oder eine Aussage über weitere Beschränkungen nach November zu machen, betonte Wieler ausdrücklich.

“Über Monate die Pobacken zusammenkneifen”

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht auch über die aktuellen Maßnahmen im November hinaus von coronabedingt harten Einschränkungen aus. “Wir müssen es miteinander schaffen, durch diesen Winter insgesamt zu kommen mit niedrigeren Zahlen auf einem niedrigeren Niveau”, sagte er am Donnerstag (12.11.) losgelöst vom RKI-Pressebriefing. Veranstaltungen mit mehr als 10 bis 15 Personen wie Weihnachtsfeiern oder andere Geselligkeiten sehe er “in diesem Winter nicht mehr”. Auch Wieler plädierte einmal mehr für Geduld. Man müsse nun “über Monate die Pobacken zusammenkneifen”.

Ziel ist es laut Wieler nach wie vor, die Zahl der Neuinfektionen wieder auf ein Level zu bringen, mit dem auch die Krankenhäuser umgehen können. Es gelte, so wenige Infektionen wie möglich zuzulassen. Ein bisheriger Höchststand der registrierten Infektionen war am Samstag (7.11.) mit 23.399 Fällen innerhalb von 24 Stunden erreicht worden. Die Dunkelziffer kann in Hotspots nach RKI-Schätzungen allerdings vier- bis fünfmal so hoch liegen.

Langfristig könnten auch Corona-Tests für den Heimgebrauch helfen, die Lage erträglicher zu machen. Allerdings hänge dies “stark von der Qualität” ab, unterstrich Wieler. Dies sicherzustellen, sei keineswegs trivial. “Es wird kaum möglich sein, diese Tests in Kürze zu validieren”, sagte er und erinnerte an HIV-Tests für den Heimgebrauch, die erst nach Jahren der Forschung und Diskussion im Oktober 2018 frei verläuflich wurden.

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