Corona-EpidemieJunge Ärzte mit “Blanken Bedenken”

Von reduzierten Arbeitszeiten in der Weiterbildung bis zu ausgefallenen Facharztprüfungen: Corona hat nicht zuletzt auch junge Hausärztinnen und Hausärzte getroffen. Und dabei gezeigt: In der Versorgungslandschaft tummeln sich allerhand mutige Köpfe und Ideen.

Von reduzierten Arbeitszeiten in der Weiterbildung bis zu ausgefallenen Facharztprüfungen: Corona hat nicht zuletzt auch junge Hausärztinnen und Hausärzte getroffen. Und dabei gezeigt: In der Versorgungslandschaft tummeln sich allerhand mutige Köpfe und Ideen.
Mit der Aktion „Blanke Bedenken“ machen Hausärztinnen und Hausärzte aus ganz Deutschland auf ihre Schwierigkeiten aufmerksam: Auf www.blankebedenken.org zeigen sie sich nackt in ihren Praxen.© blankebedenken.org

Die “Schutzschilder”, die sie vor sich tragen, sind spärlich: eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, ein paar Rollen Klopapier, allein die schützende Hand oder ein Stück Pappe. Einige tragen einen selbstgenähten Mund-Nasen-Schutz. “Ich hab gelernt Wunden zu nähen – warum muss ich jetzt Masken nähen können?”, steht auf dem Schild, das sich eine junge Hausärztin vor die Brust hält.

Es ist eine Aktion, die Mut beweist: Initiiert von jungen Ärzten – darunter die “Rauchenden Köpfe”, die in “Der Hausarzt” Abrechnungs-Tipps geben – ziehen mittlerweile Hausärztinnen und Hausärzte in ganz Deutschland blank, um auf den Missstand in ihren Praxen aufmerksam zu machen. Denn in der Corona-Epidemie versorgen sie gemeinsam mit ihren Praxisteams ihre Patienten weiter – und das teils, ohne sich selbst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen zu können. Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands, kritisiert deutlich, dass die Politik frühe Anzeichen ignoriert und dadurch versäumt hat, Praxen rechtzeitig mit Schutzmaterial auszustatten.

Moritz Eckert, Hausarzt in Herzberg und Mit-Initiator von “Blanke Bedenken”, berichtet passend dazu von zehn Schutzanzügen – für elf Mitarbeiter in der Praxis. “Die Nacktheit soll symbolisieren, dass wir ohne Schutz verletzlich sind”, sagt Kollege Ruben Bernau, niedergelassen in Hambergen und Vorstandsmitglied des Instituts für hausärztliche Fortbildung (IHF) im Deutschen Hausärzteverband.

Inspiriert von ihrem französischen Kollegen Alain Colombié, der sich nackt in seiner Praxis fotografiert und als “Kanonenfutter” betitelt hatte, haben die deutschen Hausärzte schnell ein breites – sogar internationales – Medienecho ausgelöst: Nur wenige Wochen nach dem Start hatten sich bei Redaktionsschluss fast 50 Hausärztinnen und Hausärzte entblößt – Tendenz steigend.

Studierende springen ein

Dabei ist die Initiative nur eines von vielen Beispielen, wie sich gerade junge Ärzte mit kreativem Engagement positionieren – neben dem Einsatz in der Versorgung, der sie über alle Altersstufen mit Kollegen eint (“Der Hausarzt” 7/20). Medizinstudierende etwa sind bei der Unterstützung der Gesundheitsämter eingesprungen und haben kurzerhand eine bundesweite Web-Plattform für Freiwillige ins Leben gerufen (www.match4healthcare.de). Dr. Sandra Blumenthal, die sich im Forum Hausärztinnen des Hausärzteverbands engagiert und für “Blanke Bedenken” auch schon posiert hat, ruft unterdessen zu einer weiteren Art von “Werbung” auf. Unter dem Schlagwort #Hausaerztinnensindda zeigt sie auf Facebook und Instagram hausärztliche Arbeit – “auch um unsere Innovationsfreude und Kreativität für die Politik sichtbar zu machen.”

Auch das Forum Weiterbildung im Deutschen Hausärzteverband hat in diesen Tagen allerhand zu tun. Das traditionell am Rande der Frühjahrstagung des Hausärzteverbands stattfindende Treffen musste zwar – wie die Tagung selbst – ausfallen. “Da wir als Forum aber arbeitsfähig bleiben wollen und es durch Corona dringende Themen zu bearbeiten gab, haben wir uns per Videokonferenz getroffen”, so Vize-Sprecherin Dr. Johanna Bobardt.

Hürden für die Weiterbildung

Dass die Corona-Epidemie gerade junge Ärzte an vielen Stellen getroffen hat, beobachten die Forumsmitglieder flächendeckend. Ärzte in Weiterbildung seien vielerorts von reduzierten Arbeitszeiten betroffen, erklärt Bobardt. Weil für die Zulassung zur Facharztprüfung jedoch eine Anstellung in Vollzeit vorausgesetzt ist und diese auch im Zeugnis bescheinigt werden muss, führe das mitunter zu rechtlichen Grauzonen – in denen Ärzte in Weiterbildung, Weiterbilder und die jeweilige Kammer möglicherweise Einzelfalllösungen finden müssen.

Ein weiteres Problem: Teilweise liefen Ärzte in Weiterbildung Gefahr, aufgrund der reduzierten Arbeitszeit oder verschobener Untersuchungen vorgeschriebene Fallzahlen nicht zu erreichen. Auch könne es – wie bei anderen Fehlzeiten (“Der Hausarzt” 6/20) – Probleme mit der KV-Förderung geben.

Frisch in der Praxis – und jetzt?

Doch nicht nur Ärzte in Weiterbildung, auch frisch Niedergelassene könnte die Corona-Krise besonders treffen. Denn: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat zwar zugesichert, dass Ärzten durch Corona kein Minus entstehen soll (www.hausarzt.link/xj3my). Doch wer für Ausgleichszahlungen in Frage kommt, bemisst sich am Vergleich mit dem Vorjahresquartal – was “Anfängerpraxen” von vornherein ausklammert. Der Deutsche Hausärzteverband fordert, dringend am Hilfspaket nachzubessern.

Bildergalerie: “Nackte Bendenken

Prüfungen laufen wieder

Dass sich Engagement auszahlt, zeigt unterdessen die Schnittstelle zwischen Weiterbildung und (früher) Niederlassung: Facharztprüfungen waren im März und April in vielen Kammern ausgesetzt worden, weil die Prüfer vor einer Ansteckung geschützt werden sollten und/oder in der Versorgung gebraucht wurden. Schon Mitte März haben Forum Weiterbildung und Bundesvorstand des Hausärzteverbands dies im internen Austausch thematisiert.

Mittlerweile wird nach entsprechenden Gesprächen im Großteil der Kammern wieder geprüft, wie eine Umfrage in Stichproben von “Der Hausarzt” sowie Berichte der Forumsmitglieder zeigen. Demnach sollte seit Anfang Mai flächendeckend wieder geprüft werden; einige Kammern priorisieren dabei nach “Dringlichkeit” – etwa bei einer geplanten Praxisübernahme – oder setzen auf Videolösungen.

“Wir werden weiter schauen, ob geprüft wird und uns – wenn nötig – um Lösungen bemühen, damit die jungen Ärzte nicht in einen Prüfstau geraten”, sagt Bobardt. Darüber hinaus sei das Forum in den Landesverbänden weiter “erster Ansprechpartner”, wenn es in der Weiterbildung zu Problemen kommt – oder mutig-kreativen Ideen.

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