SachsenHausärzte diskutieren Zukunft der Sozialversicherung

Auf ihrer Frühjahrstagung haben die Delegierten des Hausärzteverbandes Sachsen den Blick in die Zukunft gerichtet: Auf der Tagesordnung standen nicht nur Herausforderungen durch die Digitalisierung, sondern auch die Zukunft der Sozialversicherung - und damit das "Schnittstellenproblem" in der Reha, das in der Praxis immer wieder für Ärger sorgt.

Dresden. Die Sozialversicherungssysteme stehen vor einem rigorosen Umbau – der nicht zuletzt durch die Digitalisierung nötig wird. Mit dieser These hat der Rechtsanwalt Prof. Andreas Teubner auf der Frühjahrstagung des Hausärzteverbandes Sachsen auf Einladung des Landesverbandsvorsitzenden Steffen Heidenreich eine Diskussion unter den Delegierten angeregt. Zwei Schritte sind aus seiner Sicht unumgänglich: So müssten Selbstständige – auch „selbstständige Wenigverdiener“ – in die Sozialversicherungssysteme eingebunden werden, da die traditionell tragende Säule der beitragsfinanzierten Versicherung über Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Beiträge etwa durch den steigenden Anteil an Freiberuflern ins Wanken komme. Darüber hinaus sei es nötig, die Fragmentierung der Sozialpolitik – etwa durch Zuständigkeiten in verschiedenen Ministerien – zu beenden, um den damit verbundenen Koordinierungsaufwand zu beseitigen.

Hier erhielt Teubner deutliche Zustimmung aus der Praxis: So ergänzte eine Hausärztin aus Sachsen das von Teubner geschilderte „Schnittstellenproblem“ in der Reha durch einen Erfahrungsbericht. Bei einem Antrag auf eine Umschulung habe sie jüngst eine Patientin auf ihrem „Spießroutenlauf“ von Institution zu Institution begleitet, so die Delegierte aus Mittelsachsen. „Seit Wochen und Monaten spielen sich Deutsche Rentenversicherung und Arbeitsagentur den Ball zu und mir als Hausärztin bleibt nichts anderes übrig, als die Patientin mit Physio- und Ergotherapie über Wasser zu halten – wofür ich am Ende noch eine Prüfung riskiere.“

Durch die Digitalisierung ergeben sich darüber hinaus neue Herausforderungen, skizzierte Teubner. Denkbar seien etwa Modelle bis hin zu steigenden Beiträgen, wenn aufgrund gesammelter Daten deutlich würde, dass seit einem halben Jahr kein Sport getrieben wurde.

Tipps für Kontakt mit älteren Patienten

Dass die Digitalisierung nicht nur Positives bringe, unterstrich auch Referentin Nicola Röhricht für die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO). Sie appellierte an Ärzte, sich selbst mit Internetangeboten vertraut zu machen, um ihren Patienten in jedem Alter angemessen Rat geben zu können. „Die Patienten sind oft fitter im Netz als Kollegen in der Praxis“, gab ein Delegierter seine Beobachtung preis.

Röhrichts Tipp: „Senioren brauchen eine Mischung aus digital und analog.“ Dabei bringe gerade „Dr. Google“ oft Verwirrung für ältere Patienten, weshalb es wichtig ist, Senioren an die Hand zu nehmen. Dabei brauchen die älteren Patienten laut Röhricht Folgendes:

  • eine Kombination aus digital und analog; Angebote dürfen nicht vollkommen ins Internet wandern
  • keine Anglizismen, keine Fachbegriffe
  • Lernen von anderen Älteren

Darüber hinaus könnten Ärzte auf belastbare Gesundheitsinformationen hinweisen. Als Beispiel nannte sie www.wissensdurstig.de oder www.im-alter-inform.de der BAGSO, wo Senioren unter anderem Gymnastikübungen und Bewegungsangebote finden.

TSVG als Anreiz, Bestandspatienten fallen zu lassen?

Dass sie das Thema Digitalisierung für Sachsen als wichtig erachte, unterstrich auch Staatssekretärin Regina Kraushaar. So seien im Doppelhaushalt 2019/20 etwa zehn Millionen Euro für die Digitalisierung von Kliniken vorgesehen. Darüber hinaus wolle Sachsen während des Gesundheitsministerkonferenz-Vorsitzes das Thema Digitalisierung platzieren.

Mit „Bauchschmerzen“ hingegen beobachte man die Umsetzung des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG), betonte Kraushaar. So sei die darin enthaltene Ausweitung der Sprechstunden von 20 auf 25 Stunden pro Woche praktisch nicht zu kontrollieren, fürchtet sie. „Jeder Arzt hat die eigene Hoheit über seine Praxisorganisation, und das ist auch gut so.“ Darüber hinaus sehe ihr Ministerium die Gefahr, dass gemeldete Termine an die Terminservicestelle nicht wirklich frei sind, sodass bestehende Patienten zurückstecken müssen, weil für Neupatienten extrabudgetäre Zuschläge locken.

„Was bei der Polizei drei Jahre braucht, braucht bei Ärzten elf“

In der Nachwuchsgewinnung sehe man jedoch Fortschritte, betonte die Staatssekretärin. Jüngst sind Kraushaar zufolge fünf junge Ärzte in unterversorgte Regionen gegangen und haben sich dort niedergelassen. „Doch in der Medizin braucht die Trendwende Zeit“, so Kraushaar. „Bei der Polizei etwa dauert die Ausbildung drei Jahre, bei Ärzten eben elf.“ Vor diesem Hintergrund kritisierte sie deutlich, dass die Landarztquote in Sachsen vorerst vom Tisch sei. 

Kurz vor der Frühjahrstagung hatten sich mit einem offenen Brief niedergelassene Ärzte in Sachsen an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gewandt und vor einem fortschreitenden Ärztemangel gewarnt. Man sei in „tiefer Sorge um die medizinische Behandlung der sächsischen Patienten“, hieß es in dem Schreiben der „IG Med“. Zudem fürchteten sie um die Existenz ihrer Praxen. Die niedergelassenen Ärzte übten vor allem Kritik an der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Diese könne die Versorgung der Patienten nicht mehr sicherstellen und müsse neu strukturiert werden, forderten die Ärzte. Erst im Sommer 2018 hatte sich die „IG Med“ als Interessengemeinschaft gegründet. Aus ihr soll später eine „Deutsche Ärztegewerkschaft“ hervorgehen.

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