ThesenpapierCorona fordert Prävention heraus

Um die Corona-Pandemie nachhaltig einzudämmen, braucht es neue, aufsuchende präventive Angebote. Mit diesem Schluss hat jüngst eine Gruppe renommierter Gesundheitsexperten auf sich aufmerksam gemacht – und einen neuen Blick auf die Prävention gefordert.

Um die Corona-Pandemie nachhaltig einzudämmen, braucht es neue, aufsuchende präventive Angebote. Mit diesem Schluss hat jüngst eine Gruppe renommierter Gesundheitsexperten auf sich aufmerksam gemacht – und einen neuen Blick auf die Prävention gefordert.
Hausbesuch in Zeiten der Corona-Pandemie: Für den Schutz von Risikopatienten könnte dies eine bedeutende Maßnahme sein. © verbaska - stock.adobe.com

Berlin. Statt auf die Patienten in der Praxis zu warten, sollten insbesondere Risikopatienten, die über Symptome klagen, zuhause aufgesucht und idealerweise sogar dort einem Corona-Test unterzogen werden. Dieses bislang nur in Einzelfällen erprobte Szenario hat Ende Oktober eine Gruppe renommierter Gesundheitsexperten – unter ihnen Versorgerforscher Prof. Holger Pfaff, BKK-Chef Franz Knieps, Ex-Gesundheitsweiser Matthias Schrappe und Hedwig Francois Kettner vom Aktionsbündnis Patientensicherheit – skizziert. Die Beschränkung von Kontakten und deren Nachverfolgung sei nicht mehr erfolgreich, da zum einen die Übertragung asymptomatisch verlaufe, zum anderen viele Gesundheitsämter ihre Belastungsgrenzen erreicht haben.

„Das Corona-Virus fordert geradezu neue Strukturen in der Prävention und deren gesicherte Finanzierung“, betone Prof. Holger Pfaff von der Universität Köln zur Vorlage des Thesenpapiers. „Hausärzte sollten dabei die Rolle eines „Präventionsmanagers“ einnehmen.

Heute setzen im ambulanten Management einige Hausarztpraxen bereits auf aufsuchende Hausbesuche durch ihre Medizinischen Fachangestellten (MFA) und Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH) – regelhaft vorgesehen ist das jedoch nicht. “Der Hausarzt” und das Institut für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband (IHF) geben zur Betreuung von Risikopatienten in den eigenen vier Wänden verschiedene Praxishilfen an die Hand.

“Test-Teams” könnten daheim betreuen

Konkret schlagen die Gesundheitsexperten zusätzliche spezifische Präventionsteams vor, die speziell in Altenpflegeeinrichtungen Schulungen anbieten, die in akuten Krisen und Notfällen beraten und die Personal, Bewohner sowie regelmäßige Besucher zwei Mal pro Woche auf Corona testen. Ähnlich wie in der Notfallmedizin sei es nötig, so heißt es im Thesenpapier weiter, in allen Altenpflegeeinrichtungen den Umgang mit einem möglichen akuten Infektionsgeschehen durchzuspielen – vom Auftreten eines Einzelfalls bis hin zur Evakuierung.

Für den niedergelassenen Bereich empfiehlt Pfaff, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) oder große Hausarztnetze spezielle Test-Teams aus Ärzten, Pflegekräften und Hygieneexperten zusammenstellen. Die Test-Teams könnten dann Risikopatienten mit oder ohne entsprechender Symptomatik zuhause behandeln. So ließe sich vermeiden, dass Risikopatienten Busse und Bahnen nutzen, um Arztpraxen oder öffentliche Testzentren zu erreichen und dabei sich und andere vermehrt gefährden. Ein Knackpunkt der Idee: Auch die Test-Teams müssten – ebenso wie beispielsweise die geplanten Impfzentren – personell gestemmt werden, ohne dass die flächendeckende Versorgung darunter leiden dürfte.

Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken?

Nach Meinung der Experten sollten Beschäftige und Besucher von Kliniken, Einrichtungen der Altenpflege sowie der Eingliederungshilfe verpflichtet werden, während ihres Aufenthalts in der jeweiligen Einrichtung FFP2-Schutzmasken zu tragen. Bund, Länder und KVen hätten große Reserven an Masken aufgebaut. So könnten auch jene 1,4 Milliarden FFP2-Masken eingesetzt werden, die die Bundesregierung bis 2021 einlagern will.  Es sei besser, die Ausstattung jetzt einzusetzen und später zu ersetzen, als sie in Lagern zu verwalten. Weiter sollten Bibliotheken, Apotheken, Restaurants und andere Geschäfte des täglichen Bedarfs besondere Zeiten der Nutzung für ältere und vorerkrankte Personen vorsehen, so dass diese ihre Alltagskontakte und Begegnungen weiter pflegen können.

Die Experten kritisieren im Thesenpapier auch das Festhalten an „Bedrohungsszenarios“ und mahnen Politik und Gesellschaft, nachfragende Menschen nicht vorschnell mit Verschwörungstheoretikern gleichsetzen. Eine solche Politik führe lediglich zu einer „gesellschaftlichen Polarisierung und stelle keineswegs einen lösungsorientierten Ansatz dar“.

Der Teil-Lockdown im November bietet, so Pfaff, zwar einen kurzfristigen, aber keinen nachhaltigen Schutz vor der Infektionsgefahr. Wohl aber sollte die Zeit genutzt werden, um entsprechende Strukturen in der Prävention aufzubauen und einen Strategiewechsel vorzubereiten.

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