EASD 2018Diabetologie: Jenseits der großen Pharmastudien

Traditionell wurden beim 54th Annual Meeting EASD 2018 vom 1.–5. Oktober 2018 in Berlin Ergebnisse großer internationaler klinischer Studien zu Pharmaka vorgestellt. Doch auch der Blick auf andere Studien lohnt.

Traditionell wurden beim 54th Annual Meeting EASD 2018 vom 1.–5. Oktober 2018 in Berlin Ergebnisse großer internationaler klinischer Studien zu Pharmaka vorgestellt. Doch auch der Blick auf andere Studien lohnt.
Diabetiker erkranken häufiger auch an Arthrose, Rheuma sowie Muskel- und Gelenkschmerzen© RFBSIP adobe.stock.com

Ein Diabetes mellitus ist mit einer signifikant erhöhten Wahrscheinlichkeit für Arthrose, Rheuma und Muskel- und Gelenkschmerzen assoziiert. Das zeigt eine Auswertung von Daten von mehr als 109.000 Personen im Alter von über 40 Jahren aus einem populationsbasierten Register in Dänemark, darunter 9.238 Patienten mit einem Diabetes mellitus. Eine Arthrose war bei bestehender Diabeteserkrankung um 33 Prozent häufiger als ohne, Rückenschmerzen um 27 Prozent und Schulter- oder Nackenschmerzen um 29 Prozent. Dabei waren die muskuloskelettalen Beschwerden bei Personen, die körperlich aktiv waren, weniger häufig als bei Inaktiven. Bewegung kann also sowohl hinsichtlich des Stoffwechsels als auch des Bewegungsapparates nur empfohlen werden. Die Wahrscheinlichkeit für eine rheumatoide Arthritis war bei Diabetespatienten sogar um 71 Prozent gegenüber Altersgenossen ohne Diabetes erhöht. Ob dies durch eine chronische systemische Entzündung zu erklären ist oder die Medikation einen Einfluss hat (vor allem der Blutzucker-erhöhende Steroideinsatz bei Rheuma), kann nur spekuliert werden.

Gefahrenquelle Kühlschrank

Um die volle Wirksamkeit zu behalten, sollte Insulin bei 2–8°C im Kühlschrank aufbewahrt werden. Beim Transport sollte die Temperatur 30°C nicht überschreiten. Doch im Alltag ist insbesondere im Kühlschrank die richtige Temperatur häufig nicht gewährleistet, wie Dr. Katharina Braune von der Charité in Berlin berichtete. 388 Patienten mit Diabetes hatten im Rahmen einer Studie Temperatursensoren im Kühlschrank nahe dem Insulin oder in der Tasche, in der Insulinfläschchen oder Pen transportiert werden, platziert. Der Sensor ermittelte automatisch alle drei Minuten die Temperatur.

Von 400 Temperatur-Zeitreihen (230 von Kühlschränken und 170 von Behältnissen für den Transport) zeigten 315 (79 Prozent) Abweichungen von der empfohlenen Temperaturspanne. Im Kühlschrank war Insulin im Mittel 2 Stunden und 34 Minuten pro Tag nicht bei der geforderten Temperatur gelagert, Abweichungen in der Tasche gab es nur über 8 Minuten pro Tag. 17 Prozent der Kühlschranksensoren maßen auch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, die im Mittel 3 Stunden pro Monat auftraten. Dr Braune empfiehlt allen Patienten, ein Thermometer im Kühlschrank zu deponieren, um die Lagertemperatur des Insulins kontrollieren zu können. Bei häufigen Abweichungen muss eine reduzierte Blutzucker-senkende Wirksamkeit des Insulins befürchtet werden.

Hypoglykämien bei Demenz besonders gefährlich

Hypoglykämien sind ein unterschätzter Risikofaktor für ein Versterben älterer Menschen mit Demenz und Diabetes, berichtete Dr. Katharina Mattishent von der Universität in Norwich (Großbritannien). In einer Beobachtungsstudie starben diese Patienten nach einer Hypoglykämie 67 Prozent häufiger als Gleichaltrige mit Diabetes ohne Demenz. Deshalb sollten Behandlungsstrategien zur Minimierung des Hypoglykämierisikos bei älteren Menschen mit Diabetes und Demenz oberste Priorität haben, nicht die möglichst strikte Blutzuckerkontrolle. Basis ist die kontinuierliche Blutzuckerkontrolle zur Detektion der Hypoglykämien, um entsprechende Therapieentscheidungen treffen zu können.

Wer schafft Remission durch Abnehmen?

In der prospektiven, randomisierten Studie DiRECT hatten 46 Prozent der Patienten mit einem weniger als sechs Jahre bestehenden Diabetes mellitus Typ 2 durch Gewichtsabnahme eine Remission ihres Diabetes mit Normoglykämie ohne Medikamente erreicht. Eine aktuelle Analyse zeigte, dass für das Erreichen der Remission nicht die Abnahme von viszeralem Fett entscheidend war: Die erfolgreichen Patienten hatten ähnlich viel Gewicht verloren und das Leber- und Pankreasfett ähnlich stark reduziert wie diejenigen, die keine Remission erreicht hatten.

Auch die Triglyzeridspiegel waren vergleichbar gesunken. Diejenigen, die keine Remission erreichten, wiesen aber im Gegensatz zu den am Ende normoglykämen Patienten keine rasch wieder einsetzende Betazellfunktion und damit Insulinproduktion auf. Das war umso häufiger der Fall, je länger die Diabeteserkrankung auch in diesem kurzen Zeitraum von bis zu sechs Jahren bestand. Um das Ziel Remission per Gewichtsabnahme zu erreichen, gilt also: Je früher, desto besser.

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