ArztgeheimnisPssst! Zum Schweigen verpflichtet

Das Arztgeheimnis schweißt Arzt und Patient in besonderer Weise zusammen. Welche Herausforderungen das für beide mit sich bringen kann, zeigt die Ausstellung "Geheimnis". Doch wo liegen die Grenzen ärztlicher Schweigepflicht?

Das Arztgeheimnis schweißt Arzt und Patient in besonderer Weise zusammen. Welche Herausforderungen das für beide mit sich bringen kann, zeigt die Ausstellung "Geheimnis". Doch wo liegen die Grenzen ärztlicher Schweigepflicht?
© mauritius images / DieKleinert / Thomas Kuhlenbeck

Approximal, mesial, palatinal: Der Patient sitzt auf dem Zahnarztstuhl, der Arzt begutachtet den Mundraum und diktiert seiner Praxismitarbeiterin die Befunde – für den Laien in einer „Geheimsprache“.

„In diesem Fall hat das Geheimnis eine Schutzfunktion“, erklärt Silke Zimmermann. „Der Arzt kann die Beobachtungen erst einmal einordnen und dem Patienten dann fundiert eine Rückmeldung geben – ohne dass dieser gleich alles weiß.“ Gleichwohl braucht das Geheimnis im ärztlichen Kontext Vertrauen, weiß Zimmermann:

„Der Patient braucht die Gewissheit, dass der Arzt gut und vertrauensvoll mit seinen Geheimnissen umgeht.“

Mit Geheimnissen im beruflichen Kontext hat sich Zimmermann zuhauf beschäftigt. Für die Nemetschek Stiftung kuratiert sie die Ausstellung „Geheimnis“, die zuletzt in Berlin gastierte. Ein Exponat: der eben beschriebene Zahnarztstuhl. „Es gibt unfassbar viele Bereiche, auch in unserem Alltag, in denen wir mit Geheimnissen zu tun haben“, weiß Zimmermann. Drei Ebenen hat sie bei ihrer Recherche identifiziert: die Politik; die private Ebene, auf der Geheimnisse etwa mit dem Partner oder der besten Freundin geteilt werden; und die besonders spannende Ebene der beruflichen Geheimnisträger. Denn: Pfarrer, Journalisten, Ärzte und Co. sind per Tätigkeitsbeschreibung Geheimnisträger und müssen auf individueller Ebene gleichzeitig einen Weg finden, damit umzugehen, erklärt Zimmermann.

Ärzte müssen mitunter abwägen

Für den Geheimnisträger ist das nicht immer einfach, zeigt die Ausstellung mit Videobotschaften Betroffener. Da ist ein Pfarrer, der in seiner seelsorgerischen Arbeit so aufgeht, dass ihn das Geheimnis nicht belastet. Eine Sekretärin – eingebunden in Entlassungen und Firmenbilanzen – hingegen berichtet von der gefühlten Belastung. „Eine solche Position bedeutet, dass man beim Abendessen mit der Familie nicht alles vom eigenen Arbeitstag erzählen darf“, bringt es Zimmermann auf den Punkt. „Da muss jeder eigene Strategien entwickeln, damit umzugehen.“ Gerade im ärztlichen Bereich, weiß die Expertin, hat das Geheimnis aber auch Grenzen – etwa bei Verdacht auf Missbrauch (s. rechts). „Das Geheimnistragen ist im ärztlichen Bereich nicht selten mit komplexen ethisch-moralischen Entscheidungen verbunden.“

Drei Ebenen der Geheimnisträger

Eine von Zimmermanns Lieblingsstellen der 400 Quadratmeter großen Ausstellung ist deswegen der Selbsttest, mit dem Besucher überlegen können, ob sie gute Geheimnisträger sind. „Wir wollen damit anregen, ins Gespräch zu kommen.“ Wer sind meine eigenen Geheimnisträger, wem vertraue ich? Ein Exponat, das sich übergoßen Akupunktur-Übungsohren bedient, regt zum Nachdenken an: Hier hat man die Möglichkeit, ein Geheimnis wahlweise den Eltern, Geschwistern, ihrem Partner oder Pfarrer „zuzustecken“ – doch wem?

Kurz vor dem Ausgang dann wartet das „Selbst“ – ein Exponat, das die eigenen Geheimnisse ans Tageslicht bringen soll. „Auf der anderen Seite“, sagt Zimmermann schmunzelnd, „ist es manchmal ja auch schön, nicht alles zu wissen.“

 

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